bist du ein Gewichtheber?

bist du ein Gewichtheber?

Fast täglich beobachte ich Leute welche ein Gewicht von Punkt A nach Punkt B befördern. Daran ist ja grundsätzlich auch nichts verkehrt, aber es gibt grosse Unterschiede in der Art und Weise wie die Gewichte bewegt werden.

Typ 1 bewegt die Gewichte in einem enorm hohen Tempo hoch und runter, so dass man fast nicht mehr erkennt was genau bewegt wird.

Typ 2 hat solch schwere Gewichte, dass er mit allen möglichen Körperverrenkungen versucht die Hanteln irgendwie in Bewegung zu bringen.

Typ 3 hat zu leichte Gewichte und könnte seine Übungen auch ohne zusätzliche Gewichte machen.

 

 

Welcher macht es nun richtig?

Keiner.

Speedy Gonzales (Typ 1) hat zwar in kürzester Zeit seine obligatorischen 12 Wiederholungen gemacht, jedoch wird ihn das sicherlich nicht weiterbringen. Wenn wir davon ausgehen, dass er pro Wiederholung 1-2 Sekunden braucht hat er für einen Satz gerade mal zwischen 12-24 Sekunden gebraucht. Die tatsächliche Muskelbelastung ist noch kürzer, da die Gewichte nur kurz in Bewegung gebracht worden sind und dann durch das Momentum ohne grosse Mühe bewegt werden konnten. Die effektive Belastungszeit beträgt also 6-12 Sekunden und jedem sollte spätestens jetzt klar sein, dass solch eine kurze Dauer wohl kaum zu Muskelwachstum führen wird.

Der kleine Herkules (Typ 2) hat die Gewichte für grosse Jungs draufgepackt, aber kann es alleine nur mit Ach und Krach bewegen und scheint gleichzeitig von Zuckungen am ganzen Körper geplagt zu sein. Hierbei erhöht sich die Verletzungsgefahr massiv und je schwerer es wird desto weniger kommt die gewünschte Muskelpartie zum Einsatz, da durch verändern der Körperhaltung etc. andere Muskeln beigezogen werden und den überbeanspruchten Muskel entlasten.

Der Schlaumeier (Typ 3) macht seine Übungen schön nach Plan, jedoch könnte ein 5 jähriger mehr Gewicht hochheben als er es tut. Bloss nicht den Körper beanspruchen und schon gar nicht ins Schwitzen kommen, sonst muss ich nachher noch unter die Dusche. Vielleicht macht er ja eine Bewegungstherapie?! Der Muskel wird vielleicht benutzt um das Gewicht zu bewegen, aber es ist überhaupt keine Herausforderung für den Körper und somit muss er sich auch nicht anpassen (sprich Muskelwachstum).

 

Ja ich weiss, Muskelaufbau ist nicht so einfach wie es zu sein scheint. Leider sind viele Menschen der Ansicht man müsse nur so viel wie möglich ins Training, am besten 7 Tage die Woche, und dann wachsen die Muskeln schon.

Wie du siehst ist es mit dem Gewichtheben auch nicht getan. Das Ganze ist viel komplexer als es aussieht und deswegen sehen auch 80% der Trainierenden immer gleich aus.

 

Und was ist nun der richtige Weg?

Die Lösung heisst Spannung und hat nichts mit Strom zu tun. Du musst versuchen den Muskel während des ganzen Satzes unter Spannung zu halten und dies möglichst lange.

Klingt einfach, ist es aber nicht.

Das Problem liegt darin, dass bei allen Übungen ab einem bestimmten Winkel die Spannung abnimmt oder sogar verloren geht. Man muss also versuchen die Bewegung innerhalb dieses Spannungsfeldes auszuführen um immer unter völliger Spannung zu sein.

Bei den Bizeps-Curls beispielsweise nimmt die Spannung ab je näher man die Hantel zum Kinn hin bewegt. Versuche das nächste mal im Training herauszufinden zwischen welchen 2 Punkten du am meisten Spannung im Muskel spürst oder frage einen Fitness Trainer vor Ort.

Wenn du den Muskel während der Übung entspannst gibst du ihm sozusagen eine Pause und machst es dir selbst einfacher, aber um Muskeln aufzubauen musst du genau das Gegenteil tun - du musst es dir die Arbeit erschweren.

Sobald du herausgefunden hast wo sich das Spannungsfeld befindet musst du sehr wahrscheinlich das Gewicht reduzieren um die gewünschte Anzahl Wiederholungen zu schaffen.

 

Und nun stell ich dir nochmals die Frage...

...bist du ein Gewichtheber?

Ich hoffe es nicht für dich, denn ein Gewichtheber bringt nur das Gewicht von Punkt A nach B egal mit welcher Technik. Dem Gewichtheber geht es nicht darum einen bestimmten Muskel zu beanspruchen. Solange er zum Beispiel eine Langhantel vom Boden aus über seinen Kopf stemmen kann ist er glücklich und befriedigt.

 

baue Spannung auf

Timo Zimmermann

 

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